on JUST
Werkstattmedium für junge Medienmacher

Medienwerkstatt:
Umfragen, Statistiken und ihre Interpretation

Bild: Fotolia

Erschienen in der on JUST-Ausgabe 04/2015.

Darum geht es

Statistiken begegnen uns im Alltag in ganz unterschiedlichen Situationen. Wir lesen von den aktuellen Arbeitslosenzahlen in der Zeitung. Beim Fußball geht’s um die Trefferquote des Lieblingsspielers, die Aufstiegschancen eines Vereins, die Ballkontakte oder das Eckenverhältnis. In der Wirtschaft versuchen Unter­nehmen durch Marktforschung herauszufinden, wie sie ihre Produkte noch besser verkaufen können, und in der Politik werden vor Wahlen häufig Meinungsumfragen in der Bevölkerung durchgeführt. Das Ziel ist immer das Gleiche: Daten und Zahlen zu sammeln. Diese werden meistens in Diagrammen veranschaulicht.

Journalisten stoßen vor allem bei der Recherche auf Statistiken, Umfragen oder Studien. Dann ist es wichtig, die Daten richtig auszuwerten und die Ergebnisse verständlich zu präsentieren. Hierbei sollte ein Journalist vorher prüfen, ob die Umfrage repräsentativ ist und welche Ergebnisse für seine Leser relevant sind. Das ist vor allem am Anfang schwierig, aber mit ein bisschen Übung lernst du, wie man Statistiken richtig liest und interpretiert.

Das nimmst du für dich mit

Statistiken interpretieren

Quelle: Schau dir an, wer Auftraggeber der Statistik ist und gib unbedingt die Quelle an!

Methode: Gesamterhebungen (wie Volkszählungen), repräsentative Umfragen (zum Beispiel telefonisch), Inhaltsanalyse (Beispiel: Behandlung eines Themas in den Medien) etc. Dadurch erkennst du oft schon, ob die Statistik für deine Zwecke relevant ist.

Diagramme verstehen:

Schau dir zunächst die genaue Fragestellung der Abbildung an. Finde dann heraus, welche Kategorien abgefragt wurden. Bei einer grafischen Darstellung ist es wichtig, x- und y-Achse zu checken: Welche Werte werden wo angegeben? Handelt es sich um absolute Zahlen oder Prozente? Beginnt die Achse bei 0?

Interpretation der Daten:

Oft passieren Fehler beim Umrechnen in Prozente. Falls du dir unsicher bist, frag nach - bei einem verantwortlichen Lehrer eurer Schülerzeitung oder deinem Mathelehrer.

Umfragen selbst durchführen:

Mach eine online- oder Straßen-umfrage und verteile Fragebögen. Achte auf eine einheitliche Fragestellung. Nur so können dein Team und du die Antworten miteinander vergleichen. Wenn es Pro- und Kontra-Meinungen gibt, solltest du beide zu Wort kommen lassen.

Themenvorschläge: Wie zufrieden bist du mit der Schulmensa? Welche Wahlfächer magst du am liebsten? Was ist dein aktueller Lieblingssong? – frag, was dich und deine Redaktion interessiert!

Da geht’s WWWeiter

 

  • Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) hat speziell für Schüler zusammengefasst, wie man eine Statistik auswertet: aok.de/58d8b9
  • Beim Statistischen Amt der EU (Eurostat) findest du viele Zahlen rund um Europa. Alle sind auch online einsehbar: aok.de/ad92e0
  • Zahlen zu Deutschland gibt’s beim Statistischen Bundesamt: aok.de/4dfeb1
  • Bei der Shell-Jugendstudie 2015 wurden Jugendliche unter anderem zu den Themen Beruf, Familie, Politik und Freizeit befragt. Die Ergebnisse findest du hier: aok.de/b11d55
  • Auf Statistiken stößt man vor allem bei der Recherche. Wie du richtig recherchierst, erfährst du im Schülerzeitungshandbuch: aok.de/d9b04f

Wie werte ich eine Statistik richtig aus?

Anhand einer Beispielstatistik zeigen wir dir, was du beachten musst, wenn du die Ergebnisse einer Statistik in einem Artikel verwenden möchtest. Hierfür schreiben wir eine Nachricht über die Freizeitgestaltung von Jugendlichen.

(Hinweis:  Die Statistik und die gesamten Ergebnisse sind fiktiv!)

Beispielnachricht

Jugendliche verbringen ihre Freizeit am liebsten mit Freunden. Das geht aus der aktuellen Muster-Studie hervor. 85 Prozent der Befragten nannten „Freunde treffen“ als liebste Freizeitbeschäftigung. Kurz dahinter, mit 70 Prozent, liegt Sport. Am Unbeliebtesten ist Lesen. Nur knapp ein Drittel der Jugendlichen liest in ihrer Freizeit gerne Bücher, Zeitungen oder Zeitschriften. Für die Muster-Studie wurden deutschlandweit 10.000 Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren befragt. Mehrfachnennungen waren möglich.

Experteninterview

Axel Dammler erforscht seit über 20 Jahren das Konsumverhalten von Kindern und Jugendlichen.

Spricht man junge Menschen anders an als Erwachsene?

Man muss die Art der Fragen an das Alter der zu Fragenden anpassen. Bestimmte Fragen, die man Erwachsenen stellen kann, müssen für Kinder oder Jugendliche umformuliert werden. Das hängt mit ihrer Entwicklung zusammen. Ein Beispiel ist das Thema „Image“. Wenn Erwachsene an eine Marke denken, läuft ein Kopfkino dazu ab, für welches Image sie steht. Also Zielgruppe, Markenwerte etc. Bei jungen Menschen ist das anders, weil sie noch sehr produktorientiert sind. Wird eine Marke von einem coolen Fußballer getragen, dann, weil das Produkt gut und nicht weil die Marke so toll ist. Kinder ziehen einen direkten Schluss zwischen Produktqualität und Verwendung.

Gibt es Themen, die man nicht fragen darf? Tabuthemen?

Man darf alles fragen, aber man bekommt nicht zu allem eine vernünftige Antwort. Deswegen sollte man nur Fragen stellen, die Kinder auch beantworten können. Wir arbeiten sehr viel mit sogenannten Bilderskalen. Will man beispielsweise wissen, wie alt die Zielgruppe eines Produktes sein könnte, fällt es Kindern schwer, ein genaues Alter zu nennen. Wir zeigen ihnen dann Bilder, die relativ gut verschiedenen Altersgruppen zuzuordnen sind. Und dann können wir sie fragen: Was meinst du, wer würde das Produkt kaufen, wer nicht?

Haben Sie Tipps fürs Befragen von Gleichaltrigen?

Zwischen elf und dreizehn Jahren ist die geistige Entwicklung im Gehirn so weit fortgeschritten, dass man eigentlich alles fragen kann. In diesem Alter machen wir auch keine Fragebögen, die besonders jugendlich formuliert sind. Das macht keinen Sinn, weil die Befragten ernst genommen werden wollen. Wenn man ernsthafte Fragen stellt, bekommt man gute Antworten.

Warum arbeiten Sie in der Marktforschung?

Das hat sich bei mir so ergeben. Ich habe Kommunikationswissenschaft studiert und bin über die Medienwirkungsforschung, was ein Feld der Kommunikationswissenschaft ist, in die Kinder- und Jugendforschung reingeraten. Das Interesse für die Marktforschung habe ich während des Studiums über Praktika festgestellt und als es darum ging „Wo bewerbe ich mich?“, war für mich klar: Ich will Marktforscher werden. Dass es dann die Jugendforschung geworden ist, war ein glücklicher Zufall.


Die Autorin: Jasmin Liese

Jasmin Liese hat einen Bachelor in Europastudien und absolvierte bereits journalistische Praktika in mehreren deutschen Städten, Melbourne und New York City. Aktuell macht sie ihren Master in Interkultureller Kommunikation.

Kontakt: jasminliese[at]web.de

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