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Werkstattmedium für junge Medienmacher

Medienwettbewerbe: Gewinnen mit Plan!

Ruhm, Reichtum und ein gestärktes Selbstbewusstsein versprechen sich Journalisten von Medienwettbewerben. Doch nicht jeder Preis bringt den erhofften Schwung in die Karriere. Welche Auszeichnungen lohnen sich? Und was müssen Medienmacher bei einer Bewerbung beachten?

Es gibt Tausende Medienpreise. Niemand hat sie je gezählt. Und das wäre auch gar nicht möglich. Manche werden regelmäßig vergeben, andere gibt es nur einmal und verschwinden dann wieder still und heimlich. Es gibt große Preise mit zahlreichen Bewerbern aller Altersgruppen, in ganz Deutschland. Es gibt Preise für begrenzte Zielgruppen, die nur lokal oder regional ausgeschrieben sind.

Die Übersicht zu behalten fällt schwer. Was allerdings für alle Wettbewerbe gilt: Sie verfolgen ein bestimmtes Ziel. Das muss nicht schlecht sein. Einige Preise sollen starke mediale Leistungen bekannt machen oder Nachwuchsjournalisten fördern und Ansporn sein, die eigenen Talente auszubauen. Eines haben die meisten Preise, so unterschiedlich sie in ihrer Themenstellung oder Teilnehmeransprache auch sein können, gemeinsam: Sie sind immer auch Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit des Ausschreibenden. Egal, ob Unternehmen oder Organisationen – jeder, der Auszeichnungen vergibt, verfolgt damit ein Ziel. Der eine sucht einen Anlass, sein Unternehmen als solches ins Spiel zu bringen, der andere möchte eine Sache, für die er kämpft, einer breiteren Öffentlichkeit bekannt machen. Auch die Vorgabe einer bestimmten Stilform (beste Reportage oder Interview) oder Ausrichtung (investigativer Journalismus) kann dazu beitragen, unternehmens- oder organisationsrelevante Botschaften zu besetzen.

Bereits veröffentlicht oder neu erstellt?
Je nachdem, wozu der Ausschreibende aufruft und welche Intention er damit verfolgt, entscheidet er auch, ob er bereits veröffentlichte Beiträge eines bestimmten Zeitraums bewerten möchte oder, so zum Beispiel bei Wettbewerben zu neuen Kampagnen oder Geschichten- bzw. Märchenwettbewerben, noch Unveröffentlichtes sucht. Oftmals liegt genau darin ein Teilnahmeausschluss. Warum? Weil nur derjenige an einer Wettbewerbsausschreibung zum „besten bereits veröffentlichten Sachbericht über Vitamine im Mensaessen“ teilnehmen kann, dessen Text auch tatsächlich schon irgendwann einmal, oder in einem bestimmten Zeitraum, abgedruckt wurde. Also immer auf der Hut sein, wenn ihr Wettbewerbsaufrufe seht. Denn oft reicht es schon zu wissen, zu welcher Fragestellung Wettbewerbe laufen. Dann bleibt genügend Zeit, zur Tastatur, dem Foto oder der Kamera zu greifen und gegebenenfalls eine Ausschreibungszeit später teilzunehmen.

Ehre, Geld oder beides?
Auch wer bereits gutes Material für eine Wettbewerbsteilnahme hat oder gewillt ist, dieses zu erstellen, sollte sich fragen, was er mit seiner Teilnahme neben einem sicherlich wertvollen Bündel an Erfahrungen erreichen möchte. Stehen wirtschaftliche Interessen wie Preisgeld oder ein Stipendium im Vordergrund oder Ruhm und Ehre? Oder sollte beides ein bisschen erfüllt werden? Das kann jeder Presseaktive nur für sich allein entscheiden. Wichtig ist aber, dass folgenden Überlegungen Rechnung getragen wird:

1. Welche Preise gibt es?
Der Journalist sollte sich frühzeitig einen Überblick über die angebotenen Medienwettbewerbe verschaffen. Bereits im Laufe des Jahres kann er Preise, die ihm in der Fachpresse auffallen, mit Thema und Datum notieren. Oder er sichtet am Jahresende seine Artikel, Fotos, Filme und sonstigen Beiträge und schaut, zu welchen Wettbewerben sie passen könnten. Eine Liste von Preisen verschiedener Kategorien gibt es auf www.newsroom.de, einem Nachrichten- und Jobportal für Presseleute.

2. Wer schreibt die Preise aus und warum?
Wenn sie von Unternehmen vergeben werden, kann es sein, dass kritische oder gar negative Berichterstattung über sie von vornherein ausgeschlossen wird. Anders ist das bei Ministerien, Vereinen, Stiftungen oder Medien, die häufig daran interessiert sind, ein Thema möglichst vielschichtig zu beleuchten und in die Öffentlichkeit zu tragen. Interessenten sollten daher die Teilnahmebedingungen genau studieren.

3. Was gibt es zu gewinnen?
Mal sind es Zehntausende Euros, mal große oder kleine Sachpreise und Fortbildungen. Auch Reise- oder Recherchestipendien winken. Bevor der Übermut zu Bewerbungen in allen Kategorien drängt, sollte man sich überlegen, was man möchte und ob der Aufwand gerechtfertigt ist. Zu manchen Einreichungen gehört nämlich zusätzlich ein langes Motivationsschreiben.

4. Wer sitzt in der Jury?
Sind die Mitglieder „nur“ Mitarbeiter des Unternehmens – zum Teil auch ohne journalistischen bzw. mediengeprägten Hintergrund? Oder sind auch bekannte Medienleute dabei? Ist die Jury gut gemischt und liest sich zumindest nicht voreingenommen? Das weist auf einen seriösen, vorzeigbaren Preis hin. Aber Vorsicht: Das ist nur ein Indiz.

5. Wer hat den Wettbewerb bereits gewonnen?
An den bisherigen Preisträgern können sich Journalisten ein weiteres Indiz für die Seriosität ableiten und außerdem erkennen, ob sie selbst eine Chance haben und ihr Thema tatsächlich zu den teilweise schwammig formulierten Anforderungen passt. Allerdings sind Anzahl und Stärke der Konkurrenten schwer absehbar. Je bekannter und größer die Preise, desto mehr hochkarätige Bewerber. Aber auch bei diesen Wettbewerben gibt es Jahre mit nur einer Handvoll Bewerbern.

6. Was passiert mit den eingereichten Beiträgen?
Bewerber sollten die Allgemeinen Geschäftsbedingungen gut lesen. Dort müsste stehen, ob und wo die Beiträge veröffentlicht werden und welche Rechte man mit der Bewerbung abtritt. Nur wenn die Vorgaben dieser AGB zu den eigenen Einstellungen passen, sollte man sich anmelden.

Organisatorisches
Last but not least sollte jeder Wettbewerbsteilnehmer vorab genau studieren, was in den Teilnahmebedingungen steht. Gerade bei den Nachwuchswettbewerben sind oftmals Altersbeschränkungen nach oben wie nach unten oder die Bedingung von Teamarbeit gegeben. Auch solltet ihr checken, welche Formvorgaben gemacht werden. Ist eine bestimmte Zeichenzahl vorgegeben? Soll diese inklusive oder exklusive Leerzeichen sein? Oder sind beispielsweise Längenvorgaben für ein Video vorgegeben? Oder ein bestimmtes Datenformat? All das sind Angaben, die ernst zu nehmen sind und schon oft über die Teilnahme oder Nichtteilnahme entschieden haben. Also, seid auf der Hut, aber lasst euch keine (Erfahrungs-) Chancen entgehen!

 

Für Nachwuchsmedienmacher gibt es eine ganze Reihe namhafter Wettbewerbe unterschiedlicher Anbieter.
Hier eine Auswahl:
www.jugendfotopreis.de
www.jugendvideopreis.de
www.schuelerzeitung.de/wettbewerb
www.wegweiser-journalistenpreis.de
www.mb21.de
www.ohrenblick.de
www.dieterbaackepreis.de
www.spiegel.de/thema/schuelerzeitungspreis_2012
www.duden-open.de
www.alternativer-medienpreis.de


Zu den bekanntesten und beliebtesten Journalistenauszeichnungen gehören: www.henri-nannen-preis.de
www.bdzv.de/theodor-wolff-preis.html
www.waechterpreis.de
www.grimme-institut.de
www.axel-springer-preis.de

 

Erschienen in der JUST-Ausgabe 03/2012

Die Autorin: Jennifer Töperwein

Jennifer Töpperwein leitet das Düsseldorfer Jugendportal www.youpod.de und hat als freie Journalistin für verschiedene Medien wie Rheinische Post, DIE WELT oder DIE ZEIT gearbeitet.

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