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Werkstattmedium für junge Medienmacher

Die digitale Schülerzeitung: „Online statt Print“

Ben ist enttäuscht, seit Monaten ist keine Schülerzeitung mehr erschienen. Niemand kann die liebevoll erstellten Beiträge der motivierten Redaktion lesen. Der Grund dafür ist banal: Ben und seinen Mitstreitern fehlt das Geld für den Druck. Sie stellen sich daher die Frage, ob sie ihre Schülerzeitung überhaupt noch drucken – oder nicht gleich über die digitalen Medien­kanäle verlegen. Aber welche Chancen bieten sich für Schülerzeitungen im Netz?

Jugendliche sind immer und überall online unterwegs. Das sollten Schülerzeitungen für sich nutzen und ihre Leser dort erreichen, wo sie sich üblicherweise aufhalten. Dank Social Media funktioniert das problemlos und die Beiträge erreichen ihre Leser – auch über die Schulgrenzen hinaus.

Eine einfache Möglichkeit im Internet zu publizieren sind Blogs. Ursprünglich als virtuelles, öffentlich einsehbares Tagebuch entstanden, listen sie Beiträge chronologisch nach ihrem Veröffentlichungsdatum auf. Anstatt Persönliches aus der Ich-Perspektive zu berichten, entdecken immer mehr journalistische Formate Blogs als Medium für sich. So auch große Zeitungen wie die FAZ, die Süddeutsche Zeitung oder die ZEIT. Blogs können bestehende Medien ergänzen, aber auch eigenständig sein wie der mit dem LeadAward ausgezeichnete und für den Grimme Online Award nominierte Modeblog LesMads www.lesmads.de oder das mit dem Grimme Online Award ausgezeichnete Soukmagazine www.soukmagazine.de.

Alternative Blog
Für Schülerzeitungsredaktionen sind Blogs nicht nur vor dem Hintergrund niedriger Kosten interessant. Mit Bildern, Slideshows, Audiobeiträgen und Videos ist es möglich, die Textinhalte der Blogs multimedial zu ergänzen. Insbesondere die aktive Beteiligung der User an den bereitgestellten Beiträgen zeichnet Blogs aus. Über die Kommentarfunktion können Leser unmittelbar reagieren, ihre Ansichten posten und die Autoren darauf wiederum eingehen – so entsteht ein aktiver Meinungsaustausch, der neue Themen oder Diskussionen entstehen lässt, die über eine herkömmliche Leserpost undenkbar wären. Die Leser können Blog-Beiträge aber nicht nur kommentieren. Meist lassen sie sich auch mit wenigen Klicks in den eigenen Sozialen Netzwerken verbreiten. Durch das RSS-Protokoll (Real Simple Syndication) müssen Leser die Webseite des Blogs nicht einmal aktiv aufrufen. Ein Abo gezielter RSS-Feeds stellt neue Beiträge automatisch zu.

Großes technisches Know-how ist weder für die Nutzer noch die Autoren von Blogs notwendig. Neue Inhalte lassen sich schnell und ohne technisches Wissen einfügen. Durch die Software des Blogs sehen die Autoren – also die Blogger – meist sofort, wie der Text später gestaltet sein wird. Fragt sich nur noch, welche der unzähligen Blogging-Plattformen im Internet für wen geeignet sind und welche nicht. Wie immer ist das zum großen Teil Geschmacksache. Einige Blogging-Plattformen liegen auf einem Server des jeweiligen Anbieters und sind daher pflegeleicht. Ihr Nachteil: Sie bieten nicht so viele Einstell- und Kontrollmöglichkeiten über die Inhalte. Andere Angebote können auf einer eigenen Webspace eingerichtet werden und bieten sehr viele Einstellungs- und Individualisierungsmöglichkeiten. Allerdings ist hier ein wenig technischer Background von Vorteil. Wichtig ist: Schülerzeitungen, die auf einen Blog umsteigen möchten, müssen sich keine neuen Rubriken überlegen, sondern können eine bestehende Inhaltsgliederung in ihren Blog übertragen. Folgende drei Blogging-Plattformen haben sich in den vergangenen Jahren bewährt:

WordPress
Eine weit verbreitete Blogging-Plattform ist die freie Software WordPress, die es kostenfrei auf „de.wordpress.com“ gibt. Um eigene Beiträge zu veröffentlichen, ist eine Registrierung nötig. Danach erhält der eigene Blog eine Unterdomain von wordpress.com – zum Beispiel NAME.wordpress.com – und dem Nutzer stehen viele, meist kostenfreie Designs zur Bloggestaltung zur Verfügung. Er kann diese WordPress-Version allerdings nur eingeschränkt individuell gestalten und erweitern. Wer die komplette Gestaltungsfreiheit sucht, sollte eine Version nutzen, die nicht auf den WordPress-Servern gehostet wird, sondern auf wordpress-deutschland.org zu finden ist. Unzählige Designs und Erweiterungen bieten Raum für individuelle Gestaltungen. Allerdings funktioniert das Ganze nur, sofern ein eigener Webspace vorhanden ist.

WordPress ist ein Content-Management-System, dessen Blog-Oberfläche so weit umgestaltet werden kann, dass die Benutzeroberfläche nicht mehr wie ein Blog, sondern wie eine herkömmliche Website aussieht. Eine Anleitung zur Installation und Bedienung gibt es auf Deutsch unter faq.wordpress-deutschland.org.

Blogger
Auch Blogger.com ist eine kostenfreie Blogging-Plattform, die zum Suchmaschinenbetreiber Google gehört. So liegt es nahe, dass als Einstiegsvoraussetzung ein Google-Account notwendig ist und gegebenenfalls erst angelegt werden muss. Der sogenannte Blogger-Vorlagendesigner macht auch hier ohne großes technisches Vorwissen individuelle Gestaltungen  möglich. Erreichbar ist der Blog über eine Unterdomain von blogspot.com.

Tumblr
Tumblr.com ist eine für eher kürzere Beiträge ausgelegte Mikroblogging-Plattform und gleichzeitig ein Soziales Netzwerk, da Blogger anderen Bloggern folgen können. Wie in anderen Blogs auch, können Texte, Bilder, Videos und Audiodateien eingestellt werden. Außerdem ist es möglich, Beiträge anderer Tumblr-Blogger als Favoriten zu markieren oder zu „rebloggen“. Der Vorteil hierbei ist, dass alles im eigenen Tumblr-Blog erscheint und dadurch für alle Teilhaber einsehbar ist. Erreichen lässt er sich als Unterdomain von tumblr.com.

Wem die Einstellungsmöglichkeiten der einzelnen Blogging-Plattformen und jeweiligen Designs zu gering sind, kann seinen Blog selbstverständlich auch vollkommen selbst aufsetzen. Das geht dann jedoch nicht mehr ohne technisches Wissen und das Beherrschen von Websprachen wie die Hypertext Markup Language oder die Cascading Style Sheets und das Know-how, den Code seines Blogs selbst anzupassen.

Ben und seine Redaktionskollegen haben einen Schülerzeitungsblog erstellt und berichten seither zeitnah, multimedial und ohne großen finanziellen Aufwand. Nicht nur Schüler, Lehrer und Eltern lesen ihre Schülerzeitung. Auch über die Schulgrenzen hinaus haben sie Leser im world wide web gefunden. Die jungen Medienmacher erfahren jetzt Lob, Kritik und Anregungen direkt in Kommentaren unter ihrem Beitrag. Diesen direkten Dialog, auf den Ben und seine Kollegen so lange gewartet hatten, möchten die Schülerzeitungsmacher nicht mehr missen.  

 

Erschienen in der JUST-Ausgabe 05/2011

Der Autor: Alexander Schmitz

Alexander Schmitz macht derzeit eine Fotografenausbildung und ist Chef vom Dienst von NOIR – dem jungen Magazin der Jugendpresse BW. Darüber hinaus hat er journalistische Erfahrungen während seiner Tätigkeit für Stuttgart Internet Regional und einem Praktikum beim wdv-Verlag gesammelt.

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